Mar 2 / 6:59am

Micropayment in der Praxis

Auch heute gibt es bereits einige Dienste, die sich im Micropaymentbereich versuchen. Die Ansätze sind vielfältig und ungewöhnlich, was sich letztlich durchsetzen wird ist noch nicht vorherzusagen. Generell lässt sich allerdings das große Problem des Micropayments identifizieren: durch fixe Transaktionskosten ist bei kleinen Beträgen eine Bezahlung, wie man sie über PayPal kennt, nicht rentabel, daher müssen andere Möglichkeiten gefunden werden.

Rechenbeispiel: für kleine Zahlungen verlangt PayPal in Deutschland noch folgende Gebühren: 10 Cent + 10% der Transaktionssumme. In der Praxis sieht das dann so aus:

Hier sieht man schnell, dass unterhalb  von 50 Cent die Luft dünn wird. Um diese Kosten zu umgehen, gibt es mehrere Ansätze:

Prepaid / eWallet
Die Verwaltung eines Guthabenkontos für jeden Benutzer erlaubt es, die Transaktionskosten für die Kleinstzahlungen zu minimieren, indem nur periodisch echtes Geld fließt, und Anbieter von Inhalten beispielsweise periodisch ausgezahlt werden. Der Nutzer muss sein Konto allerdings initial füllen.

Bezahlung nicht über echtes Geld
Die Bezahlung von Inhalten oder Diensten kann auch über Werbung funktionieren. Die Firma SponsorPay macht es möglich. Ein Anbieter kann seine Inhalte mittels einer virtuellen Währung offerieren. Möchte ein Kunde den Inhalt kaufen, so erlaubt ihm SponsorPay den nötigen Betrag durch die Benutzung eines Werbeangebotes (bspw Ausfüllen einer Umfrage) zu "erarbeiten". Daraufhin zahlt der Werbepartner einen entsprechenden Betrag an den Inhalteanbieter aus. Dieser Ansatz funktioniert vor allem im Gaming-Segment sehr gut, Kinder und Jugendliche sind ideale Zielgruppe, da sie in der Regel auch gar nicht die Möglichkeit haben, anderwetig zu bezahlen (etwa per Kreditkarte).

Keine direkte Bezahlung, sondern Ausschüttung (social payments)
Die US-basierten Dienste Kachingle und Flattr wählen eine andere Route. Hier wird nicht auf direkten Kauf und Verkauf gesetzt, sondern auf eine "freiwillige" Verteilung von Resourcen. Jeder teilnehmende Nutzer zahlt monatlich einen Festbetrag auf sein Konto, der dann an Inhalteanbieter ausgeschüttet werden kann, die den Dienst anbieten. Durch Nutzungsfrequenz und spezielle Buttons auf den Anbieterseiten kann der Nutzer steuern, welcher Anbieter wieviel seiner Zahlung ausgeschüttet bekommt. Dieses Model ist brandneu, Kachingle ist seit dem 14.2.2010 im Produktivbetrieb, Flattr noch in der Betanutzung.

Kreditbasierte Zahlungen
Eine weitere sehr interessante Variante erlaubt der vor Kurzem gestartete Dienst Kwedit. Wie der Name schon andeutet, übernimmt der Dienst zunächst die Zahlungsverpflichtung seiner Nutzer, und gewährt ihnen damit einen "Kredit". Die ausstehende Zahlung kann ein User jederzeit einlösen, oder auf einen anderen User übertragen. Je nach Zahlungsmoral verändert sich der Kwedit-Score des Nutzers, ein zu schlechter Score verhindert weitere Zahlungen. Kwedit wirbt explizit um Eltern und deren Kinder als Kunden.

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