Sep 14 / 7:19am

Das Problem des Flattr-Konzepts?

Die taz ist ja zurzeit in Deutschland sicher der bekannteste Anbieter von Flattr als Bezahlvariante. Dies hat seit Juni ja auch ganz gut funktioniert. Anfang September aber sieht es nicht mehr ganz so rosig aus, zumindest das Wachstum hat vorerst ein Ende:

Doch leider mussten wir im August erstmals einen Rückgang feststellen. In diesem Monat kamen 1.302 Euro herein – und damit knapp neun Prozent weniger als im Juli.

Das allein kann man ja noch als Schwankung abschreiben, aber interessant wird es mit folgender Betrachtung:

Dabei wurden die taz.de-Texte im August gar nicht mal seltener geflattert als im Monat zuvor: Insgesamt 5.791 Mal klickten die User auf den Button – vier Prozent häufiger als im Vormonat.

Die Zahlmoral steigt, die Einnahmen sinken. Wie kann das sein? Die Lösung ist einfach: Flattr wird immer beliebter. Es gibt mehr Anbieter die es einsetzen, so dass für die Nutzer mehr Möglichkeiten entstehen, den Flattr-Button zu betätigen. Die passiert auch, mit einer ungewünschten Konsequenz für alle bisherigen Anbieter: Jeder Klick bringt weniger Einnahmen, da die meisten Nutzer zwar mehr klicken, aber ihr monatliches Budget nicht anpassen. Das Stück vom Kuchen wird also für alle kleiner. Tendenziell verschlimmert sich die Lage mit jedem zusätzlichen Anbieter. Es bleibt abzuwarten, ob Flattr seine Nutzer regelmäßig zur Erhöhung des Budgets motivieren kann.

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Sep 1 / 3:51am

Naht der Anfang vom Ende der Gratiskultur im Netz?

Auf netzwertig.com hat Martin Weigert einen interessanten Artikel über Kostenlos vs. Kostenpflichtig geschrieben, in dem er eine sehr treffende Bemerkung anstellt:

Im Netz haben beide Ansätze ihre Berechtigung, sowohl kostenpflichtig als auch kostenfrei. Kostenlos ist dabei ohnehin nichts.

Dies ist anscheinend immer noch vielen Usern nicht bewusst. Bezahlt wird überall, nur eben manchmal nicht mit harter Währung sondern mit persönlichen Daten, die nur auf den ersten Blick nichts kosten. Wenn dieses Bewusstsein nun langsam wächst, könnte sich eine große Chance für Paid Content auftun, da sich der Benutzer zweimal überlegt, ob er nicht lieber einen kleinen Betrag dafür zahlt, ein Angebot anonym und ohne ewige Bindung an seine Onlineexistenz nutzen kann. Interessant wären dazu ein paar Zahlen, was mit Userdaten für eine Wertschöpfung betrieben wird. Das dürfte einigen Gratis-Verfechtern zu denken geben.

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Jun 15 / 5:26am

Bezahlrevolution?

Auf sueddeutsche.de findet sich ein Artikel über die aktuellen Entwicklungen von Kachingle und Flattr. Interessant dabei vor allem: ca. 40% der Flattr-Nutzer sind bislang aus dem deutschsprachigen Raum. Das macht ja Mut für spannende Weiterentwicklungen.

Flattr-Chef Peter Sunde hat indes auch noch ein paar anständige Visionen:

"Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Galerie vor einem Bild, das Ihnen gefällt. Künftig könnten Sie es mit einem Klick auf dem Handy flattern, um den Künstler zu unterstützen."

Das ganze auf den Offline-Bereich zu erweitern wäre natürlich wirklich ein gelungenes Experiment.

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Jun 3 / 2:40am

Paid Content = Risiko?

Auf Zeit Online findet sich ein interessantes Interview mit James Harding, Chefredakteur der "Times".

Kernaussage:

Es stimmt, dass wir jetzt ein Risiko eingehen, aber es ist längst nicht so groß wie das Risiko, das wir bislang eingegangen sind.

Genau das ist die Frage, die in der Diskussion in der Regel zu kurz kommt: Welcher Anbieter kann es sich noch leisten, NICHT in den Paid-Content Markt einzusteigen? Die Antwort wird wohl noch etwas auf sich warten lassen. 

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Mar 2 / 6:59am

Micropayment in der Praxis

Auch heute gibt es bereits einige Dienste, die sich im Micropaymentbereich versuchen. Die Ansätze sind vielfältig und ungewöhnlich, was sich letztlich durchsetzen wird ist noch nicht vorherzusagen. Generell lässt sich allerdings das große Problem des Micropayments identifizieren: durch fixe Transaktionskosten ist bei kleinen Beträgen eine Bezahlung, wie man sie über PayPal kennt, nicht rentabel, daher müssen andere Möglichkeiten gefunden werden.

Rechenbeispiel: für kleine Zahlungen verlangt PayPal in Deutschland noch folgende Gebühren: 10 Cent + 10% der Transaktionssumme. In der Praxis sieht das dann so aus:

Hier sieht man schnell, dass unterhalb  von 50 Cent die Luft dünn wird. Um diese Kosten zu umgehen, gibt es mehrere Ansätze:

Prepaid / eWallet
Die Verwaltung eines Guthabenkontos für jeden Benutzer erlaubt es, die Transaktionskosten für die Kleinstzahlungen zu minimieren, indem nur periodisch echtes Geld fließt, und Anbieter von Inhalten beispielsweise periodisch ausgezahlt werden. Der Nutzer muss sein Konto allerdings initial füllen.

Bezahlung nicht über echtes Geld
Die Bezahlung von Inhalten oder Diensten kann auch über Werbung funktionieren. Die Firma SponsorPay macht es möglich. Ein Anbieter kann seine Inhalte mittels einer virtuellen Währung offerieren. Möchte ein Kunde den Inhalt kaufen, so erlaubt ihm SponsorPay den nötigen Betrag durch die Benutzung eines Werbeangebotes (bspw Ausfüllen einer Umfrage) zu "erarbeiten". Daraufhin zahlt der Werbepartner einen entsprechenden Betrag an den Inhalteanbieter aus. Dieser Ansatz funktioniert vor allem im Gaming-Segment sehr gut, Kinder und Jugendliche sind ideale Zielgruppe, da sie in der Regel auch gar nicht die Möglichkeit haben, anderwetig zu bezahlen (etwa per Kreditkarte).

Keine direkte Bezahlung, sondern Ausschüttung (social payments)
Die US-basierten Dienste Kachingle und Flattr wählen eine andere Route. Hier wird nicht auf direkten Kauf und Verkauf gesetzt, sondern auf eine "freiwillige" Verteilung von Resourcen. Jeder teilnehmende Nutzer zahlt monatlich einen Festbetrag auf sein Konto, der dann an Inhalteanbieter ausgeschüttet werden kann, die den Dienst anbieten. Durch Nutzungsfrequenz und spezielle Buttons auf den Anbieterseiten kann der Nutzer steuern, welcher Anbieter wieviel seiner Zahlung ausgeschüttet bekommt. Dieses Model ist brandneu, Kachingle ist seit dem 14.2.2010 im Produktivbetrieb, Flattr noch in der Betanutzung.

Kreditbasierte Zahlungen
Eine weitere sehr interessante Variante erlaubt der vor Kurzem gestartete Dienst Kwedit. Wie der Name schon andeutet, übernimmt der Dienst zunächst die Zahlungsverpflichtung seiner Nutzer, und gewährt ihnen damit einen "Kredit". Die ausstehende Zahlung kann ein User jederzeit einlösen, oder auf einen anderen User übertragen. Je nach Zahlungsmoral verändert sich der Kwedit-Score des Nutzers, ein zu schlechter Score verhindert weitere Zahlungen. Kwedit wirbt explizit um Eltern und deren Kinder als Kunden.

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Feb 24 / 8:47am

Gratiskultur oder Bezahlmodell?

Ist die Zeit reif?

Micropayment ist im Internet immer noch ein Nischenphänomen. Vieles ist gratis, wenig wird bezahlt. Austauschbare Inhalte oder Dienste können sich selten erlauben überhaupt eine Bezahlung zu verlangen, ohne dass Nutzer direkt zur Konkurrenz abwandern. Die vielzitierte Gratiskultur.

 

Abonnement als Platzhirsch

Der Status quo bei fast allen Bezahlangeboten ist die Abonnementlösung. Hierbei bezahlt der User periodisch einen festen Betrag, und kann dann eine gewisse Funktionalität unbegrenzt benutzen. Vorteil dieser Variante ist die sehr einfache technische Umsetzung, sowie die recht gute Kalkulierbarkeit. Eine feste Anzahl von angemeldeten Benutzern sorgt auch für Einnahmen in fester Höhe. Auf der anderen Seite hat das Modell natürlich auch seine Tücken:

    1. Je nach Dienst kann die erste zu tätigende Zahlung sehr hoch sein

    2. Wenignutzer haben geringen Anreiz ein Abo zu kaufen, und keine Möglichkeit den Dienst unverbindlich auszuprobieren

 

In der Praxis schlagen sich diese Probleme durch geringe Conversionraten nieder, abschätzbare Einnahmen werden dabei stärker gewichtet als das Erreichen möglichst vieler zahlender Nutzer. Für manche Dienste mag dies in jedem Fall die erfolgversprechende Route sein, andere hingegen verschenken mit Sicherheit großes Potenzial. Abhilfe würde hier ein Dienst schaffen, der die direkte Bezahlung von kleinen Beträgen in einer Weise ermöglicht, die für den Anbieter wirtschaftlich und für den Nutzer möglichst einfach ist.

 

Zahlungsmodell im Kommen?

Große Medienhäuser haben vor kurzer Zeit angekündigt, ihre Internetangebote in Zukunft auf das Bezahlmodell umzustellen. Allen voran die NY Times und das Murdoch Imperium, in Deutschland beispielsweise das Hamburger Abendblatt. Es ist zu erwarten, dass diese Angebote auch über ein Abonnementsystem funktionieren werden, beim Hamburger Abendblatt ist dies bereits im Betrieb. Wieweit dies von Erfolg gekrönt sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, viel wird davon abhängen, wie sich die Konkurrenz verhält.

 

Was wird bereits bezahlt?

Es gibt allerdings Bereiche, in denen das direkte Bezahlen von Inhalten oder Diensten bereits gängige Praxis ist. Wie beispielsweise Apple mit iTunes demonstriert, lässt sich Musik wunderbar in einzelnen Liedern verkaufen. Auch Amazon und andere haben Musik im MP3-Format und auf Titelbasis im Angebot, im Jahr 2008 erreichte digitale Musik einen Umsatz von 3.7 Mrd US$.

 

Im nächsten Post: Mit welchen Anbietern lässt sich Micropayment schon heute abwickeln?

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